Pedro Hafermann - zentrum (1)_bearb_schmal

Liebe Gäste,

aktuell dürfen wir aufgrund der neuen Auflagen und Allgemeinverfügungen keine Kulturangebote umsetzen. Leider betrifft dies nicht nur Veranstaltungen im ZiBB, sondern auch die Outdoor-Formate, die wir extra konzipiert hatten, um Ihnen Kultur so sicher wie möglich anbieten zu können. Weder unsere „Skianzug-Konzerte“ (45 Minuten Livemusik mit molligwarmen Decken und heißem Kaffee) noch die Literaturwanderungen dürfen momentan angeboten werden, da sie „überwiegend der Freizeitgestaltung“ dienen. Von dem Verbot ist auch unser komplettes eigenes Kursangebot betroffen, so dass bis auf zwei Sprachkurse von zwei externen Anbietern (die momentan noch erlaubt sind) in unseren Räumen im November 2020 nichts stattfinden wird. Auch unsere offene Sprechstunde wird nach wie vor nicht stattfinden, Sie können aber gerne bei Bedarf individuelle Termine mit uns vereinbaren. Bitte schreiben Sie dazu eine kurze E-Mail an: info@zibb-giessen.de oder kontaktieren Sie uns telefonisch unter der 0641/58779979.

Hier noch einige Anmerkungen in eigener Sache:

Das ZiBB war im März 2020 eine der ersten Einrichtungen in Hessen, die sämtliche Veranstaltungen abgesagt hatte. Im Sommer haben wir nur sehr vorsichtig unter Wahrung höchster Hygienemaßnahmen wieder begonnen, Veranstaltungen und Kurse anzubieten. Wir haben die Pandemie stets sehr ernst genommen und uns immer gefragt, was wir tun können, um Sie und uns bestmöglich zu schützen und unseren Beitrag dazu zu leisten, dass die Infektionszahlen insgesamt nicht zu sehr steigen. Dabei war es uns auch wichtig, mit unseren Konzepten und der konsequenten Umsetzung des Infektionsschutzes ein Beispiel zu geben, um auch bei unseren Gästen und anderen Einrichtungen für einen umsichtigen Umgang mit der Pandemie zu werben. In dieser für uns alle ungewohnten Situation und dem dynamischen Pandemiegeschehen mussten wir uns ja alle immer wieder mit neuen Situationen auseinandersetzen und stets aufs Neue zu einer eigenen Positionierung und Verhaltensweise finden. Dabei orientiert man sich in einer Gesellschaft natürlich auch an dem Verhalten anderer und ihren Begründungen. Für die Begründung unserer Hausregeln waren neben den expliziten Vorgaben durch Auflagen und Verfügungen stets die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse des RKI und anderer etablierter wissenschaftlicher Einrichtungen und die aktuellen Corona-Fallzahlen entscheidend. Als soziokulturelles Zentrum sind wir auch ein Lehr- und Lernort für gesellschaftliche Probleme und Entwicklungen und Ort für gelebte Demokratie und Dialog, für Prävention und Partizipation, für Mitmachen und Mitgestalten. Daher war es uns bereits von Anfang an wichtig, in der Pandemie den gesellschaftlichen Umgang mit dem Infektionsgeschehen zu thematisieren und einen Beitrag für ein solidarisches und aufgeklärtes Bewusstsein in der Gesellschaft zu leisten. Da es für ein wirkungsvolles Risikomanagement der Pandemie in einer Demokratie nicht ausreicht, alles was verboten ist zu unterlassen und ansonsten sorglos alles zu tun, was nicht ausdrücklich verboten ist, kommt es auf das mündige, solidarische und verantwortungsvolle Verhalten aller an.

Mit großer Sorge haben wir die pandemische Entwicklung in den letzten Monaten beobachtet und den Umgang vieler Menschen mit der Pandemie in den unterschiedlichen Wirtschafts- und Lebensbereichen als zu sorglos erachtet. Uns ist absolut klar, dass jetzt etwas passieren musste, denn so konnte es nicht weitergehen und die steigenden Infektionszahlen bestätigen das. Wir fragen uns jedoch mittlerweile auch, ob es klug ist, einen kompletten Lock-Down über den Kulturbereich zu verhängen, während andere Bereiche weit weniger reglementiert werden. Einerseits erleidet unsere Gesellschaft durch die Beschränkung der Kultur selbst Schaden, andererseits erleben wir durch die Ungleichbehandlung der verschiedenen Lebensbereiche der Menschen, eine sinkende Bereitschaft sich selbst zu reglementieren und Einschränkungen mitzutragen. Immer wieder artikuliertes Beispiel: „Wenn ich den ganzen Tag im Büro (oder in der Schule oder im Bus etc.) mit so vielen Menschen in Kontakt bin, sehe ich es nicht ein, warum ich mich nicht privat mit anderen Menschen treffen sollte. Wenn private Treffen durch Maximalzahlen begrenzt sind, treffen wir uns eben öfters im Wechsel.“ Der Versuch die Anzahl der Kontakte durch Restriktionen in einzelnen Bereichen wirkungsvoll zu minimieren muss als gescheitert angesehen werden, wenn in den „erlaubten“ Bereichen kompensiert wird, weil das Einverständnis fatalerweise schwindet. Der bemerkenswerte Vorteil, den wir zu Beginn der Pandemie mit einem breiten gesellschaftlichen Konsens noch hatten, wurde in den letzten Monaten verspielt, dadurch dass viele Regeln nicht mehr von weiten Teilen der Bevölkerung nachvollzogen werden konnten, weil Grenzen zwischen wissenschaftlichen Begründungen und (wirtschafts-)politischen Entscheidungen zusehends verwischt wurden. Im Sinne einer demokratischen Kultur wäre hier eine größere Transparenz und Wissenschaftlichkeit der Entscheidungsbegründungen und eine Stärkung des Verantwortungsbewusstseins jedes*r Einzelnen notwendig, denn die Pandemie ist ernst und wir dürfen in unseren Bemühungen zur Eindämmung jetzt nicht nachlassen.

Als Kulturschaffende gehört es darüber hinaus auch zu unserer gesellschaftlichen Verantwortung, an die Bedeutung der Kultur als fundamentaler Bestandteil unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens zu erinnern und auch aus diesem Grund eine entsprechend ausgewogene Behandlung bei Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung einzufordern. Noch einmal: Der Kulturbereich muss auch durch Einschränkungen einen Beitrag leisten. Wenn es einen kompletten Lock-Down gäbe, sollte er auch den Kultursektor betreffen. Wenn es einzelne wissenschaftlich begründete Einschränkungen gäbe, wie z.B. das Zusammentreffen von Menschen in geschlossenen Räumen zu unterbinden, sollte dies natürlich auch den Kulturbereich betreffen, solange es (bis vielleicht auf Lebensmittelgeschäfte, lebenswichtige Produktionsstätten etc.) alle anderen auch beträfe. Aber es darf nicht sein, dass Veranstaltungen egal ob draußen oder drinnen, ob mit Maske oder ohne, ob zu zehnt oder zu hunderten nur deshalb untersagt werden, weil sie zum Kulturbereich gezählt werden. Würden wir beispielsweise einen Laden für Nippes und Schnickschnack betreiben, dürften wir aktuell Menschen mit Mund-Nasen-Bedeckung einlassen ohne für eine Nachverfolgbarkeit ihre Kontaktdaten aufzunehmen, beim Betreiben öffentlicher Verkehrsmittel könnten wir es uns zudem noch erlauben, auf die Einhaltung des Mindestabstands zu verzichten, aber weil wir Kultur machen, dürfen wir Veranstaltungen mit Maske, unter Einhaltung des Mindestabstands, mit Aufnahme der Kontaktdaten und an der frischen Luft nicht durchführen. Das kann nicht zukunftsweisend für unsere Gesellschaft sein. Dies sind keine Beschränkungen, die „nur“ die Kulturschaffenden und angebundene Dienstleistungsunternehmen betreffen, sondern unmittelbar und mittelbar uns alle. Es ist nun das zweite Mal in der Pandemie, dass der Kulturbereich zu den wenigen stark oder besser gesagt komplett reglementierten Bereichen zählt. Da wir alle davon ausgehen müssen, dass mit Ablauf des Novembers die Pandemie nicht vorbei sein wird und sie uns im Gegenteil sicher mindestens noch das komplette nächste Jahr begleiten wird, ist es jetzt an der Zeit, sich vehement gegen diese Ungleichbehandlung zu stellen. Das fällt gerade Einrichtungen, die die Pandemie sehr ernst nehmen und sich sorgsam verhalten, schwer – die polemische Unterstellung, man würde Kultur über Menschenleben stellen wollen, ist allzu schnell bei der Hand. Gerade weil wir das nicht wollen, müssen wir erkennen, dass bei so drastisch wachsenden Fallzahlen, die massiven Einschränkungen weniger Lebensbereiche kein adäquates Mittel sind, das Pandemiegeschehen ausreichend zu entschleunigen und die Beschränkungen weniger Bereiche zu einer unverantwortlichen gesellschaftlichen Schieflage führen. Wir wollen keine Gesellschaft, die einerseits an den meisten anderen Arbeitsstätten, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Shopping für eine Ausbreitung der Pandemie sorgt und dann andererseits jede Form der kulturellen Darbietung „opfert“, um das trügerische Gefühl zu haben, dass doch etwas getan wird. Wir begrüßen es, dass es finanzielle Hilfen für den Kultursektor gibt, die dem Umstand Rechnung tragen, dass die entscheidenden politischen Gremien formulieren, dass von einzelnen Bereichen eben jenes „Opfer“ erbracht werden müsse, um das gesamte Pandemiegeschehen zu verlangsamen. Finanzielle Kompensation, wenn sie denn wirklich komplett gelänge, könnte aber auch nicht das Problem lösen, dass wir unserer gesellschaftlichen Funktion nicht mehr nachkommen können. Während wir es im ZiBB wie viele unserer Kolleg*innen im Kulturbereich in der ersten Phase der Pandemie noch für vertretbar hielten, unsere gesellschaftlichen Aufgaben für wenige Monate pausieren zu lassen, müssen wir jetzt vehement auf die damit verbundenen Gefahren für unsere Gesellschaft hinweisen. Wir fordern Corona-Beschränkungen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen und nicht nach Tätigkeitssektor. Wenn bestimmte Verhaltensweisen das Infektionsgeschehen verstärken, sind diese zu reglementieren – in allen Bereichen. Die Kultur (wie auch den Amateursport) als möglicherweise über Jahre hinweg „verzichtbare Freizeitgestaltung“ abzutun, spricht den unzähligen Dankesreden der vergangenen Jahre von Seiten der Politik gegenüber vielen als für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, die Integration und das Gemeinwohl so wichtig bezeichneten kulturellen und sportlichen Projekten Hohn. Es widerspricht auch dem Menschenbild und dem Verständnis von Lebensgestaltung und lebenslangem Lernen, das wir uns in unserer Gesellschaft erarbeitet hatten. Freizeit ist nicht unwert – sie ist Bestandteil unseres Lebens. Kultur ist auch kulturelle Bildung und Bestandteil des Fundaments für unser gesellschaftliches Zusammenleben. Gerade in einer Pandemie, die eine Zerreißprobe für jede Gesellschaft darstellt, können wir nicht auf die Kultur verzichten. Es geht uns dabei nicht um unser privates Wohlbefinden, für das wir uns bei einem zu kurz gegriffenen Verständnis vielleicht bei ausreichender Finanzierung lieber bequem für ein, zwei Jahre bezahlt zurückziehen könnten, um in „besseren Zeiten weiterzumachen“. Wir befürchten, dass die gesellschaftlichen Auswirkungen verheerend wären, würden wir uns einfach zurückziehen. Aus dieser Verantwortung heraus müssen wir jetzt daran appellieren, Kultur nicht nur als wichtigen Wirtschaftssektor in Deutschland zu verstehen und auch als solchen zu behandeln, sondern darüber hinaus ihre von Gesellschaft untrennbare Relevanz in den Entscheidungen zur Eindämmung der Pandemie zu berücksichtigen. Wenn Veranstaltungskonzepte vorhanden sind, die nach den geltenden wissenschaftlichen Erkenntnissen das Ansteckungsrisiko auf ein Minimum reduzieren, muss auch Kultur ermöglicht werden. In Phasen, in denen das Pandemiegeschehen insgesamt zu groß ist und verlangsamt werden muss, müssen Einschränkungen in allen Bereichen konsequent umgesetzt werden, um das Ansteckungsrisiko mit kurzen Interventionen im Ernst wirkungsvoll zu minimieren. Nur ein transparentes Handeln nach wissenschaftlichen Kriterien wird zur Akzeptanz und Eigenverantwortung jeder*s Einzelnen führen und in dieser Pandemie kommt es auf das Handeln jedes Mitglieds der Gesellschaft an. Solidarität und Verantwortungsbewusstsein sind die großen Stärken einer Demokratie in der Pandemie, die wir nicht verspielen dürfen.

November 2020

Die nächsten öffentlichen Veranstaltungen:

Dez
2
Mi
17:30 Probe: Multikulturelles Orcheste...
Probe: Multikulturelles Orcheste...
Dez 2 um 17:30 – 19:00
Probe: Multikulturelles Orchester  der Universitätsstadt Gießen @ ZiBB - Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung
Eine musikalische Brücke – ganz im Zeichen von Integration und  multikultureller Vielfalt – ist das Orchester  mit den verschiedenen Instrumenten aus ihrem jeweiligen Herkunftsland: aus Persien, vom Balkan, aus Afrika, Bulgarien und Deutschland. So spricht[...]
Dez
9
Mi
17:30 Probe: Multikulturelles Orcheste...
Probe: Multikulturelles Orcheste...
Dez 9 um 17:30 – 19:00
Probe: Multikulturelles Orchester  der Universitätsstadt Gießen @ ZiBB - Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung
Eine musikalische Brücke – ganz im Zeichen von Integration und  multikultureller Vielfalt – ist das Orchester  mit den verschiedenen Instrumenten aus ihrem jeweiligen Herkunftsland: aus Persien, vom Balkan, aus Afrika, Bulgarien und Deutschland. So spricht[...]

Raumvermietungen:

Wir vermieten unsere Räume für Seminare, Workshops und Sitzungen. Sprechen Sie uns gerne an. Wir bitten jedoch um Verständnis, dass auf Grund der aktuellen Vorschriften unsere Kapazitäten begrenzt sind.
Für private Veranstaltungen kann der Saal nur von Bewohner*innen der GSW genutzt werden. Ansprechpartner dafür ist die GSW.

unser Veranstaltungs-Programm

Im ZiBB finden eine Vielzahl unterscheidlicher Veranstaltungen statt. Beliebt sind unsere Veranstaltungsreihen, wie die Kulturabende und Konzerte, das Internationale Literaturcafé oder das Internationale Frauencafé. Hier gehts zu unseren Veranstaltungen.

Wir bieten Ihnen regelmäßig stattfindende Kurse wie „Öffentliches Sprechen“ mit Rainer Hustedt (Schauspieler Stadttheater Gießen) an, Seminare wie das „Ausdrucksmalen“ bei Claudia Grothe (Kunsttherapeutische Gestaltungstrainerin), Theaterworkshops, die Töpferwerkstatt, das Jahreskreistanzen und vieles mehr. Teilweise sind die Angebote kostenlos, bei einigen werden von den Kursleitenden Teilnahmegebühren erhoben. Der ViBB e.V. subventioniert in diesen Fällen nach Möglichkeit Plätze für Menschen mit geringen finanziellen Möglichkeiten. Sprechen Sie uns einfach an. Übrigens, wenn Sie Vorschläge zu Kursen haben, die wir noch nicht anbieten, freuen wir uns über Ihre Ideen und Anregungen.

Alle aktuellen Kurse, Seminare und Workshops finden Sie hier.

Außerhalb unserer Veranstaltungsreihen bieten wir immer wieder besondere Einzelveranstaltungen an.

Um mit unserem Programm auch auf
aktuelle Entwicklungen reagieren zu
können, wird im Laufe des Jahres noch
die ein oder andere Sonderveranstaltung hinzukommen, auch deshalb lohnt es sich, hin und wieder auf unserer Internetseite vorbeizuschauen!

unser soziokulturelles Zentrum ZiBB

Das ZiBB – Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung Gießen – wurde 1996 als soziokulturelles Zentrum mit einem vielfältigen Angebot an Kunst, Kultur und Politik eröffnet. Mehr Informationen finden Sie hier. 

Der Verein für interkulturelle Bildung und Begegnung e.V. (Amtsgericht Gießen, Nr.VR 2169) wurde im April 1995 auf Initiative des Ausländerbeirats der Stadt Gießen gegründet. Mehr Informationen finden Sie hier.

Wir sind vielseitig vernetzt und pflegen eine intensive Zusammenarbeit mit zahlreichen Initiativen und Institutionen.


Mit dem Stadtbus zum ZiBB

Busse der Linie 1, 17, GI-21, N Saturn
Zielhaltestelle „Waldstadion“ (von dort ca. 200 m Fußweg).

Mit dem Fahrrad zum ZiBB

Ab Gießen-Innenstadt nur ca. 15 Minuten (Grünberger Straße stadtauswärts – mittlere Steigung. Zurück einfach rollen lassen…)

Impressionen:

Quadratisch – Praktisch – Gut!

Das Jahresprogramm des ZiBB hat ein neues Gesicht erhalten und wir hoffen, dass es unseren Leserinnen und Lesern ebenso gut gefällt wie uns.
Das gedruckte Heftchen kann beim nächsten ZiBB-Besuch mitgenommen werden, es liegt aber auch an verschiedenen Stellen in Gießen aus – u. a. in der Tourist-Information (Schulstraße 4) oder im Stadtbüro (Rathaus, Berliner Platz 1).

 

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Zeichnung: Pedro Hafermann
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