Gewalt im Frieden – Zur aktuellen Menschenrechtssituation und Ressourcenausbeutung in Kolumbien

Wann:
24. Juni 2019 um 19:00 – 21:00
2019-06-24T19:00:00+02:00
2019-06-24T21:00:00+02:00
Wo:
ZiBB - Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung
Hannah-Arendt-Straße 8-10 35394 Gießen
Preis:
Kostenlos

Vorträge von Pilar Mendoza und Felipe Alberto Corral Montoya mit Diskussionsrunde

Vortrag von Pilar Mendoza
Der Friedensprozess in Kolumbien: unvollendet, ständig unter Beschuss… und trotzdem in Kraft.
Das vor fast drei Jahren unterzeichnete Friedensabkommen zwischen der kolumbianischen Regierung und der ehemaligen FARC-Guerilla sieht sich mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert, die wir unter Berücksichtigung der beunruhigenden politischen Polarisierung in Kolumbien analysieren können. Während ein Großteil des Landes, darunter Institutionen, NGOs und die Zivilgesellschaft unermüdlich an der Umsetzung des Abkommens arbeiten, gibt es einen weiteren, nicht kleineren Teil, der sich diesen Vereinbarungen durch politische Mechanismen, rechtliche Hindernisse und illegale gewalttätige Aktionen gegen die Zivilgesellschaft widersetzt. Neue Gewalt entsteht in verschiedenen Regionen durch die Kontrolle über Land und illegale Bepflanzungen. Systematische Morde an Sozial- und Umweltaktivist*innen und an ehemaligen FARC-Kämpfern nehmen zu. Derweil versucht die Regierung von Ivan Duque das Übergangsjustizsystem zu behindern. All dies zeigt, dass wir in die Zeiten der „demokratischen Sicherheit“ unter dem ehemaligen Präsidenten Alvaro Uribe Vélez zurückkehren – was das Gegenteil zum Schutz der Menschenrechte und im Allgemeinen zu den grundlegenden Aspekten darstellt, die bei den Friedensverhandlungen in Havanna 2016 vereinbart wurden.

Vortrag von Felipe Alberto Corral Montoya
Rohstoffausbeutung in Kolumbien – Wegbereiter oder Hindernis für ein nachhaltigen und umfassenden Frieden?
Die komplexe Beziehung zwischen Rohstoffförderung und gewalttätige Konflikte ist ein wiederkehrendes Motiv in Wissenschaft und Kultur. Einerseits wird oft argumentiert, dass Bürgerkriege und gewalttätige Auseinandersetzungen Investitionen und wirtschaftlichen Wachstum, auch in der Rohstoffförderung, hemmen. Andererseits wird dem Rohstoffsektor vorgeworfen, Konfliktparteien die finanziellen und materiellen Mittel zur Verfügung zu stellen, um Gewalt zu verschärfen und den Konflikt zu verewigen.
Im kolumbianischen Kontext stoßen währenddessen großflächige Rohstoffförderungsprojekte, z.B. im Erdöl- oder Bergbausektor, immer mehr auf Widerstand von Seiten der Zivilgesellschaft. Viele Gemeinden haben über verschiedene Formen des Protestes, des zivilen Ungehorsams und der politischen Arbeit gezeigt, dass sie sich kein Bergbau und keine Erdölförderung in ihren Gebieten wünschen. Allein im Jahr 2017 sind 7 Gemeinden zur Urne gegangen, um ein eindeutiges Zeichen zum Verbot von extraktiven Aktivitäten zu setzen (über 90% der Wähler haben gegen diese Aktivitäten gestimmt).
Es ist also klar, dass Rohstoffförderung viel Konfliktpotenzial (etwa zwischen Umweltschützer*innen und Unternehmen) aufweist. Dieser Vortrag versucht einige der Konfliktlinien darzustellen, die aus der legalen Rohstoffförderung resultieren. Am Beispiel der Erdöl- und Steinkohleförderung in Kolumbien wird die Rolle des Rohstoffsektors zur Sicherung eines nachhaltigen Friedens kritisch beleuchtet. Dabei wird untersucht, wie sich Kolumbien in eine paradoxe Situation manövriert, bei der Rohstoffausbeutung als Pfeiler der Friedensbildung dargestellt wird, aber gleichzeitig eine der Hauptquellen für neue Konflikte ist.

 

Eine Kooperationsveranstaltung des deutsch-kolumbianischen Friedensinstitut CAPAZ, der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Cooperación Universitaria Minuto de Dios und des ViBB e.V.

 

 

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